Lesezeit: ca. 9 Minuten · Amazon Advertising · PPC-Automatisierung
Die meisten Amazon-Seller negativieren Suchbegriffe nach Bauchgefühl. „Das Wort passt nicht“ – raus. Oder sie warten, bis ein Suchbegriff 40 € verbrannt hat, schauen zufällig in den Bericht und ärgern sich. Beides ist teuer und vor allem: nicht skalierbar.
In diesem Beitrag zeige ich dir, wie wir bei hummla den Negative-Keyword- und ASIN-Creator in ADFERENCE so einrichten, dass er automatisch und pro Produktpalette entscheidet, wann ein Suchbegriff genug Klicks ohne Kauf gesammelt hat – und ihn dann negativiert. Keine Schätzung, sondern eine Schwelle, die aus deiner echten Conversion Rate abgeleitet ist.
Das Schöne daran: Du musst danach nicht mehr jede Woche manuell in Search-Term-Berichten wühlen. Das System macht es für dich – sauber, nachvollziehbar und ohne dass dir profitable Begriffe versehentlich wegbrechen.
Vorab, ehrlich gesagt: Diese Anleitung ist vollständig. Wer Zeit und Lust hat, kann das selbst umsetzen. Erfahrungsgemäß merken die meisten Seller nach dem zweiten Absatz, dass „sauber pro Produktpalette einrichten und monatlich nachjustieren“ mehr Arbeit ist, als es klingt. Wenn du lieber die Strategie verstehst und die Umsetzung abgibst: Schreib uns. Aber das Wissen gehört dir – ganz ohne Haken.
Das Grundproblem: Wann ist ein Suchbegriff „tot“?
Ein Suchbegriff kostet dich Geld, sobald er Klicks bekommt. Er bringt dir aber erst Geld, wenn er konvertiert. Die entscheidende Frage lautet also nicht „Hat dieser Begriff schon verkauft?“, sondern:
„Hat dieser Begriff schon mehr Klicks bekommen, als ein normaler, gut konvertierender Begriff für einen Verkauf braucht – und trotzdem nichts verkauft?“
Wenn ja, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er auch in Zukunft nicht konvertiert. Genau ab diesem Punkt willst du ihn negativieren.
Und hier kommt der Fehler, den fast alle machen: Sie verwenden eine einzige Klick-Schwelle für das ganze Konto. „Negativiere alles ab 10 Klicks ohne Sale.“ Das ist besser als nichts, aber es ignoriert, dass deine Produkte unterschiedlich konvertieren.
Warum eine pauschale Schwelle falsch ist (das Möbel-Beispiel)
Stell dir vor, du verkaufst Möbel: Tische und Stühle.
- Ein Esstisch ist eine teure, überlegte Anschaffung. Menschen vergleichen, messen den Raum aus, fragen den Partner. Die Conversion Rate liegt vielleicht bei 5 % – also braucht es im Schnitt 20 Klicks für einen Verkauf.
- Ein Stuhl ist günstiger, oft ein Impulskauf oder eine Nachbestellung. Die Conversion Rate liegt vielleicht bei 12 % – also rund 8 Klicks pro Verkauf.
Wenn du jetzt eine pauschale Schwelle von „10 Klicks“ über beide legst, passiert Folgendes:
- Bei den Tischen negativierst du zu früh. Begriffe, die nach 12–15 Klicks noch konvertiert hätten, killst du nach 10. Du wirfst funktionierende Suchbegriffe weg.
- Bei den Stühlen negativierst du zu spät. Ein Begriff, der nach 8 Klicks hätte konvertieren müssen, darf noch weiterlaufen und Budget verbrennen.
Die Lösung ist simpel: Jede Produktpalette bekommt ihre eigene Klick-Schwelle, abgeleitet aus ihrer eigenen Conversion Rate.
Die Rechnung dahinter
Die Kernformel ist denkbar einfach:
Klicks bis zum Verkauf (Break-Even-Klicks) = 1 ÷ Conversion Rate
Beispiel bei 5 % CVR: 1 ÷ 0,05 = 20 Klicks.
Diese 20 Klicks sind aber nicht deine Negativierungs-Schwelle. Sie sind nur der statistische Mittelwert. Würdest du exakt bei 20 negativieren, killst du jeden zweiten Begriff, der einfach nur Pech mit dem Timing hatte. Deshalb baust du einen Puffer ein:
Negativierungs-Schwelle = (1 ÷ Conversion Rate) × Puffer-Faktor
Als Puffer-Faktor hat sich in der Praxis 1,5 bis 2,0 bewährt:
| Produktpalette | Conversion Rate | Break-Even-Klicks | Schwelle (×1,5) | Schwelle (×2,0) |
|---|---|---|---|---|
| Esstische | 5 % | 20 | 30 | 40 |
| Stühle | 12 % | 8 | 13 | 17 |
| Regale | 8 % | 13 | 19 | 25 |
Wie wählst du den Puffer?
- Hohe Marge / teures Produkt → größerer Puffer (2,0). Ein zusätzlicher Verkauf deckt viele verlorene Klicks. Du kannst es dir leisten, geduldiger zu sein.
- Dünne Marge / günstiges Produkt → kleinerer Puffer (1,5 oder sogar 1,3). Hier zählt jeder Cent ACoS, du willst Verschwendung schnell stoppen.
💡 Den passenden Wert nicht raten: Weiter unten findest du einen Rechner, in den du nur deine Conversion Rate und den Puffer eingibst – die Schwelle kommt fertig raus.
Klick-Schwellen-Rechner
Ab wie vielen Klicks ohne Verkauf solltest du einen Suchbegriff negativieren? Trag deine Werte ein.
Wo bekommst du deine echte Conversion Rate her?
Nicht schätzen – messen. Du brauchst die CVR pro Produktpalette, nicht die Konto-CVR.
- Gehe in Seller Central → Berichte → Werbeberichte (bzw. in der Advertising Console).
- Ziehe den Targeting-Bericht oder Kampagnen-Bericht über mindestens die letzten 90 Tage, damit du genug Datenvolumen hast.
- Gruppiere nach deinen Produktpaletten (z. B. über die Kampagnen-Benennung oder Portfolios).
- Berechne je Palette:
Conversion Rate = Bestellungen ÷ Klicks.
Wichtig: Saisonalität beachten. Wer im Dezember misst und im Februar die Schwelle setzt, rechnet mit aufgeblähten Werten. Nimm einen repräsentativen Zeitraum oder einen rollierenden Schnitt.
Eine saubere Konten- und Kampagnenstruktur ist hier die halbe Miete: Sind deine Kampagnen klar nach Produktpaletten getrennt und konsequent benannt, ist diese Auswertung in 15 Minuten erledigt. Ist alles vermischt, wird es zur Sisyphusarbeit.
Schritt für Schritt: Den Negative-Keyword-Creator in ADFERENCE einrichten
ADFERENCE bietet mit dem KW & ASIN Creator eine Automatisierung, die Suchbegriffe nach Regeln verarbeitet. In der „positiven“ Variante erntet sie profitable Begriffe (Harvesting). Wir nutzen hier die negative Variante: Begriffe, die deine Klick-Schwelle ohne Conversion reißen, werden automatisch als Negative Keyword eingetragen.
1. Kundenprofil & Navigation
Melde dich in ADFERENCE an, wechsle in das richtige Kundenprofil und öffne die KW & ASIN Creator-Navigation.
2. Automation pro Produktpalette anlegen
Lege nicht eine Automation für alles an, sondern eine pro Produktpalette. Benenne sie eindeutig, z. B.:
NEG-Creator | Tische | CVR5% | Schwelle 30NEG-Creator | Stühle | CVR12% | Schwelle 13
Die Schwelle im Namen zu führen, klingt pedantisch – ist aber Gold wert, wenn du in drei Monaten nachjustierst und sofort siehst, welcher Wert aktiv ist.
3. Anzeigengruppen filtern und auswählen
Wähle gezielt die Anzeigengruppen/Kampagnen der jeweiligen Produktpalette aus. Liegen Tische und Stühle in getrennten Kampagnen, filterst du sauber. Wenn nicht, musst du auf Anzeigengruppen-Ebene selektieren.
4. Bedingungen setzen – das Herzstück
Jetzt trägst du deine berechnete Schwelle ein. Die Bedingung lautet sinngemäß:
WENN Klicks ≥ [deine Schwelle] UND Conversions = 0 (im Betrachtungszeitraum) DANN Suchbegriff als Negatives Keyword eintragen.
Konkret für die Stühle (CVR 12 %, Puffer 1,5 → Schwelle 13): Klicks ≥ 13, Bestellungen = 0. Achte auf den Betrachtungszeitraum der Regel – für die meisten Konten sind 30–60 Tage ein guter Start.
5. Match-Type der Negativierung wählen
- Negative Exact: negativiert nur exakt diesen Suchbegriff. Präzise, risikoarm.
- Negative Phrase: blockt auch Varianten. Mächtiger, aber Vorsicht – eine zu breite Phrase kann profitable Long-Tails miterschlagen.
Für den Einstieg empfehle ich Negative Exact. Das ist die chirurgische, risikoarme Variante.
6. Speichern und beobachten
Speichere die Automation. In den ersten zwei bis drei Wochen schaust du regelmäßig drauf und justierst die Schwelle nach. Danach läuft es weitgehend von allein.
Häufige Fehler, die teuer werden
Zu kleiner Puffer. Wer bei exakt den Break-Even-Klicks negativiert, killt zu aggressiv – gerade bei teuren Produkten mit langer Entscheidungsphase.
Konto-CVR statt Paletten-CVR. Der ganze Sinn der Methode ist die Differenzierung. Ein Durchschnitt über alle Produkte führt zurück zum pauschalen Fehler.
Schwelle einmal setzen und vergessen. Conversion Rates ändern sich. Prüfe deine Schwellen mindestens quartalsweise.
Brand-Begriffe nicht ausnehmen. Eigene Markenbegriffe konvertieren anders und gehören nie in den automatischen Negativierungstopf.
Was diese Automatisierung dir wirklich bringt
- Dein ACoS sinkt, weil Klicks auf chancenlose Begriffe gestoppt werden, bevor sie Budget fressen.
- Dein Budget verschiebt sich automatisch zu den Begriffen, die tatsächlich konvertieren.
- Du gewinnst Zeit zurück, weil das System die wöchentliche Negativierungs-Routine übernimmt.
Lieber umsetzen lassen?
Wenn du beim Lesen gedacht hast „verstehe ich, aber dafür habe ich keine Zeit“ – das ist normal, und genau dafür gibt es uns. Wir richten den kompletten Negativierungs- und Harvesting-Workflow pro Produktpalette für dich ein, ziehen die Daten und halten die Schwellen aktuell.
Wähle direkt einen freien Termin – kostenlos & unverbindlich:
Weiterführend: Offizielle ADFERENCE-Dokumentation zum KW & ASIN Creator: adference.com. Verwandte Beiträge: „Search-Term-Berichte richtig lesen“ und „ACoS vs. TACoS – welche Kennzahl wirklich zählt„.
