ACoS vs. TACoS: Welche Kennzahl wirklich zählt

hummla – ACoS vs. TACoS: welche Kennzahl zählt (Amazon PPC)

Lesezeit: ca. 7 Minuten · Amazon Advertising · Grundlagen

Es gibt einen Moment, der fast jedem Amazon-Seller passiert: Der ACoS sieht super aus – 15 %, alles im grünen Bereich – und trotzdem wächst der Gewinn nicht. Oder schlimmer: Man drückt den ACoS immer weiter, und plötzlich sinkt der Gesamtumsatz. Wie kann das sein?

Die Antwort steckt im Unterschied zwischen zwei Kennzahlen, die ständig verwechselt werden: ACoS und TACoS. Wer den Unterschied verstanden hat, optimiert auf einmal das Richtige – und hört auf, sich von einer schönen Zahl täuschen zu lassen.

In diesem Beitrag erkläre ich beide Kennzahlen so einfach wie möglich, zeige dir an einem Rechenbeispiel, wann welche zählt, und sage dir, worauf wir bei hummla in der Praxis steuern.

ACoS – die Kennzahl für deine Werbung

ACoS steht für Advertising Cost of Sales. Sie beantwortet eine einzige Frage: Wie viel von dem Umsatz, den meine Anzeigen erzeugen, gebe ich für diese Anzeigen aus?

ACoS = Werbekosten ÷ Werbeumsatz × 100

Beispiel: Du gibst 200 € für Anzeigen aus und erzielst darüber 1.000 € Umsatz. Dein ACoS = 200 ÷ 1.000 = 20 %.

ACoS ist eine reine Werbe-Effizienz-Kennzahl. Sie sagt dir, wie gut eine Kampagne, eine Anzeigengruppe oder ein Keyword arbeitet. Sie sagt dir aber nichts darüber, ob dein Geschäft insgesamt gesünder wird. Und genau da liegt die Falle.

TACoS – die Kennzahl für dein Geschäft

TACoS steht für Total Advertising Cost of Sales. Der entscheidende Unterschied: Im Nenner steht nicht der Werbeumsatz, sondern der Gesamtumsatz – also Werbung plus organische Verkäufe.

TACoS = Werbekosten ÷ Gesamtumsatz × 100

Beispiel: Du gibst weiterhin 200 € für Anzeigen aus. Über Anzeigen kommen 1.000 €, organisch kommen weitere 3.000 € dazu. Dein Gesamtumsatz ist 4.000 €. Dein TACoS = 200 ÷ 4.000 = 5 %.

TACoS zeigt dir, wie abhängig dein Umsatz von Werbung ist. Und diese Zahl verrät dir Dinge, die der ACoS niemals zeigt.

Warum TACoS das ehrlichere Bild zeichnet

Stell dir zwei Szenarien über mehrere Monate vor – der ACoS ist in beiden konstant 20 %:

Szenario A – TACoS sinkt (von 10 % auf 6 %): Deine Anzeigen ziehen Sichtbarkeit, Reviews und Ranking nach oben. Immer mehr Umsatz kommt organisch dazu, während die Werbekosten relativ dazu sinken. Das ist gesundes Wachstum – die Werbung zündet das organische Geschäft an.

Szenario B – TACoS steigt (von 6 % auf 12 %): Dein Gesamtumsatz wächst kaum, aber du musst immer mehr Werbung reinpumpen, um ihn zu halten. Das ist ein Warnsignal: Dein organisches Fundament bröckelt, die Werbung kaschiert es nur.

In beiden Fällen sah der ACoS gleich gut aus. Nur der TACoS hat dir verraten, was wirklich passiert. Deshalb ist TACoS die strategische Kennzahl – sie misst die Gesundheit deines Geschäfts, nicht nur die Effizienz einer Kampagne.

Welche Kennzahl wann?

Es ist kein Entweder-oder. Beide haben ihren Platz:

FrageKennzahl
Performt dieses Keyword / diese Kampagne?ACoS
Soll ich auf dieses Keyword mehr bieten?ACoS (gegen dein Ziel)
Wächst mein Geschäft gesund?TACoS
Lohnt sich mehr Werbedruck für ein Produkt?TACoS (Trend über Zeit)
Wie abhängig bin ich von Werbung?TACoS

Faustregel: Steuere einzelne Kampagnen und Gebote über den ACoS. Bewerte dein gesamtes Produkt und deine Strategie über den TACoS-Trend. Wer nur auf den ACoS schaut, optimiert Kampagnen kaputt; wer nur auf den TACoS schaut, verliert die operative Kontrolle.

Der häufigste Fehler: den ACoS zu Tode optimieren

Viele Seller drücken den ACoS immer weiter nach unten, weil eine niedrige Zahl sich gut anfühlt. Das Ergebnis: Sie reduzieren Gebote auf profitable Begriffe, verlieren Sichtbarkeit, das Ranking fällt – und mit ihm der organische Umsatz. Der ACoS sieht danach fantastisch aus, aber der TACoS steigt und der Gewinn schrumpft.

Ein niedriger ACoS ist kein Selbstzweck. Manchmal ist ein höherer ACoS auf ein Schlüssel-Keyword die beste Investition, die du machen kannst – weil sie organisches Ranking aufbaut und den TACoS langfristig senkt.

Wie ADFERENCE dabei hilft

Das ADFERENCE-Tool arbeitet mit Zielwerten: Du gibst pro Smart Portfolio dein ACoS- oder ROAS-Ziel vor, und das Tool justiert die Gebote automatisch in diese Richtung. Der Hebel, den die meisten ungenutzt lassen: Diese Ziele lassen sich pro Produktpalette nach Marge und Strategie setzen – ein Produkt im Ranking-Aufbau verträgt einen höheren ACoS als ein etabliertes Cash-Cow-Produkt.

Den TACoS-Trend wiederum behältst du im Reporting im Blick und entscheidest darüber, welche Ziele du dem Tool überhaupt vorgibst. Tool und Kennzahl greifen also ineinander: TACoS bestimmt die Strategie, ACoS-Ziele setzen sie operativ um.

Häufige Fragen

Was ist ein guter TACoS? Das hängt stark von Phase und Kategorie ab. Im Ranking-Aufbau sind 15–25 % normal, bei etablierten Produkten oft 5–10 %. Wichtiger als der absolute Wert ist der Trend: sinkt er bei stabilem oder wachsendem Umsatz, läuft es gut.

Kann der TACoS zu niedrig sein? Ja. Ein sehr niedriger TACoS kann bedeuten, dass du zu wenig wirbst und Wachstumspotenzial liegen lässt – gerade bei Produkten, die noch Ranking aufbauen könnten.

Brauche ich extra Tools dafür? Den ACoS liefert dir Amazon direkt. Für den TACoS brauchst du Werbekosten und Gesamtumsatz – das rechnest du selbst oder ein Tool wie Sellerboard zeigt es dir laufend an.

Unsicher, worauf du steuern sollst?

Die Kennzahlen zu verstehen ist das eine. Daraus für jede Produktpalette die richtigen Zielwerte abzuleiten und sie im Tool sauber umzusetzen, ist das andere. Genau das machen wir: Wir setzen deine ADFERENCE-Ziele nach Marge und Strategie und behalten den TACoS-Trend für dich im Blick.

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